Beispiel 5: Venustransits
Dieses Beispiel zeigt die Kombination von Melodie und Rhythmus in der
astronomischen Sonifikation.
Aus Anlaß des 2004 erfogten Transits der Venus vor
der Sonnenscheibe - ein ausgesprochen seltenes Ereignis - sollen
die Periodizität dieser Transits und ihre langsame kalendarische
Vorverlagerung hörbar gemacht werden.
Die Transits der Venus zeigen eine Periode von 243 Jahren.
In diesem Zeitraum ereignen sich 4 Vorübergänge der Venus
vor der Sonne, im Abstand von 8, 122, 8 und 105 Jahren, der Musiker
denkt da an zwei recht nahe beieinanderliegende Paukenschläge mit
einer anschließenden sehr langen Generalpause. Die paarweise auftretenden
Transits ereignen sich jeweils im Dezember, dann im Juni. Der Transit
von 2004 ist der erste von zwei Juni-Transits, der nächste folgt im
Jahre 2012. Zwischen den achtjahres- Transitpaaren tun sich wahre zeitliche
Abgründe von 122 bzw. 105 Jahren auf. Dies auf einen handlichen Beat
zu skalieren ist trickreich. In der folgenden Sequenz wird ein 61/8 Rhythmuspattern
als Näherung verwendet. Zur Orientierung läuft die ganze Zeit
eine Art Metronomsound mit, der an ein Uhrwerk erinnert. Jeder Schlag entspricht
acht Jahren. Zwei hohe und zwei tiefe Tom-Tom-Schläge markieren
die Dezember- bzw. Junitransits:
Venustransit-Rhythmus
Betrachten wir in einem zweiten Schritt die kalendarische Verschiebung
der Transits. Nach 243 Jahren wiederholt sich das Muster der Transits
mit 1-4 Tagen Verspätung. Im folgenden Beispiel sind 9 dieser
243-Jahreszyklen vertont. Im ersten, er beginnt mit einem Transit
am 7. Dezember 1631, fallen die Venusvorübergänge auf den
7. und 4. Dezember sowie auf den 6. und 3. Juni. Wir vereinbaren, dass
diese vier Termine als aufgelöster C-Dur Akkord erklingen
sollen: Der 7. 12. ist ein g’, der 4.Dezember ein e’, der 6.Juni ein
e und der 4.6. ein c. Für jeden Tag Verspätung in der folgenden
Periode transponieren wir die entsprechende Note um einen Halbton nach
oben.
Beachten sie, dass ab der 7. Periode der zweite der beiden
Dezembertransits entfällt.
Venus-Melodie
Für jeden Transit kann diese Verspätung 1-4 Tage betragen,
so dass sich dem Ohr deutliche Abweichungen vom ursprünglichen
Durdreiklang darbieten. Das Resultat erinnert an eine Bach’sche Fuge
und reizt den Musiker zur musikalischen Improvisation rund um die von
den Daten erzeugten Harmonien:
Venus meets Bach
Kombinieren wir abschließend Melodie und Rhythmus. Dazu machen wir zwei leichte Vereinfachungen. Der Rhythmus der Transits findet in einem 15-Takte-Pattern à 4/4 statt, wobei eine Viertel 4 Jahren entspricht. Die Melodie wird von Zyklus zu Zyklus um einen aus den Einzelverspätungen gewichteten Betrag nach oben transponiert, es bleibt also jeweils beim Dur-Dreiklang. Hinzugefügt werden im Sequenzer weitere Instrumentalspuren wie Bass, Schlagzeug und Bläser, wodurch sich ein kleiner Venus-Transit-Groove ergibt.... (hier die Fassung mit 5 Transitperioden)
Venus-Transit-Groove
6. Wie klingen eigentlich Sternbilder?
Zu einem Sternbild wie man es allgemein versteht gehören die hellen
Sterne, die das entsprechende und bekannte Muster formen, z.B. die
5 Sterne die das "Himmels-W" der Cassiopeia (Abk. Cas) bilden, oder
die 7 Sterne des "Großen Wagens" ( "Großer Bär", Ursa
Major, UMa). Tatsächlich gibt es in jedem Sternbild natürlich
zahllose weitere, schwächere Sterne und andere Himmelsobjekte. Ich
beschränke mich hier auf die o.g. hellen Sterne von Cassiopeia und
Ursa Major.
Die zu vertonenden Sterne sind alle mit bloßem Auge in
dunkler Nacht bequem sichtbar, doch sind sie nicht gleich hell: In
astronomischen Helligkeitsstufen (Größenklassen) ausgedrückt
gehören die Cassiopeia-Sterne der 2. und 3. Magnitude an, die
des Ursa Major der 1., 2. und 3. (vereinfacht wurden nur Stellen vor
dem Komma berücksichtigt!).
Diesen drei Stufen wird als erster Parameter ein Lautstärkewert
zugeordnet: Je heller, desto lauter.
Trotz scheinbar ähnlicher Helligkeit können die Sterne
in Wahrheit sehr unterschiedlich weit weg sein. Diese Entfernung soll
als Tonhöhe erklingen. Ausgangspunkt sei das C (unterster Ton auf
einem 5-Oktaven-Keyboard). Jeder Ton entspricht 10 Lichtjahren Entfernung,
also: 10 Lichtjahre = C, 20 Lj = CIS usw.
Hinzu kommt, dass die Sterne verschiedene Farben haben, Astronomen
unterteilen sie in Spektralklassen. Vereinfacht kann man sagen: Die
Sterne der Spektralklassen O, B und A sind bläulich / weiß,
die der Klassen F un G (wie unsere Sonne) gelb, Spektralklassen K und
M sind rot.
Dieser Spektralfarbe soll je eine Klangfarbe zugeordnet werden:
blau / weiß >> Streicher
gelb >> Klavier
rot >>
Orgel
Demnach wäre der Stern Dubhe (alpha UMa) mit dem Spektraltyp K, der
Entfernung 80 Lj und der Helligkeit 1,8m ein lautes Orgel- G.
Im folgenden Beispiel bauen sich die 7 "Wagensterne" in der Reihenfolge
ihrer Entfernung als "Akkord" auf:
Beachten Sie, dass die Töne alle nahe beieinander ligen, noch dazu
im Bereich tiefer Töne und bis auf alpha Uma (= Orgel, s.o.) alle
mit Streicher-Sound, also weiße / blaue Sterne. Tatsächlich
gehören die meisten Sterne des großen Wagens einer Art Sternhaufen
in relativer Nähe an.
Anders bei der Cassiopeia: Die Sterne des Himmels-W verteilen sich auf
alle drei Farbgruppen, wobei drei von fünfen wieder blau/weiße
Sterne sind. Anders als beim Großen Bären sind mit epsilon
Cas (500 Lj >> des''') und gamma Cas (800 Lj >> g'''' -
das "viergestrichene gis" ist mit dem Streichersample kaum noch hörbar)
auch weitentfernte Sterne dabei:
7. Das Keyboard quer zum Planetensystem
Stellen Sie ein Modell des Sonnensystem von oben betrachtet vor. In der
Mitte ist natürlich die Sonne, dann folgen von innen nach außen
die Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter usw. Wir legen jetzt
in Gedanken ein 5-oktaviges Keyboard quer auf die "linke Seite" des Modells.
Immer wenn ein Planet auf seiner Umkreisung diese "Keyboardschranke" überquert,
soll der entsprechende Tastenton erklingen. Das hohe c ist hier ein
Dauerton, "verursacht" durch die Sonne. Mit unterschiedlichen Sounds
machen sich die Planeten einmal pro Umlauf auf ihrer maßstabsgerechten
Tonhöhe bemerkbar, Merkur bis Mars mit recht hohen Tönen, der
langsame Jupiter entsprechend selten als tiefes As (äußeren
Planeten passen in diesem Maßstab nicht mehr drauf...). Merkur (Klaviersound
auf dem hohen as) gibt regelrecht den Takt vor.
Ich habe im folgenden Beispiel die Planeten nacheinander im Sequenzer
"zugeschaltet".
Der daraus entstehende "Planetengroove" kann wieder Ausgangspunkt
einer kleinen Improvisation sein....
8. Ostertermine
NEU:
9. Meine Saros-SoFi-Melodie!
Ich bin bekennender Sonnenfinsternisfan! Meine erste totale SoFi erlebte
ich 1988 auf Mindanao. Die Finsternis vom 29.3.2006, die ich in der Türkei
beobachtet habe, ist der Saros-Nachfolger (d.h. gehört zum gleichen
Zyklus) meiner ersten, ich erreichte 2006 sozusagen die "Saros-Volljährigkeit"....
Aus diesem Anlaß habe ich alle bisher von mir beobachteten totalen
und ringförmigen SoFis vertont, nach folgendem Prinzip:
Totale SoFis = Klaviersound, ringförmige = Streicher.
Die Tonhöhe ergibt sich aus den geographischen Koordinaten,
gerundet auf volle 10° in Länge und 5° in Breite. 0°
ist jeweis es', alle 10° östlich geht es einen Halbton höher,
westlich runter. Entsprechend die Breite: alle 5° nördlich einen
Halbton höher, pro 5° südlich entsprechend tiefer.
Wenn die zentrale Phase kurz war, ist der Notenwert kurz, bei langen
Totalitäten entsprechend lang. Gut beobachtete klingen laut, solche
wo Wolken störten, leise.
Zur Orientierung läuft ein Cymbal-Sound mit, die 1/4 Noten entsprechen
je einem Jahr, Zeitraum 1988 - 2006.
So klingen "meine SoFis", sortiert nach Längengraden:
So sortiert nach Breitengraden:
Und so klingt es kombiniert:
Mehr Erklärungen zu diesem Thema nach meiner Reise. Wer mag, kann
mal versuchen, aus dem Stück zu schließen, welche SoFis ich
wo beobachtet habe...
Viel Spaß!
Demnächst mehr!
>> zurück
(Das Hören zum eigenen
Spaß ist natürlich gratis und ausdrücklich erwünscht...)
Der Autor übernimmt keine Verantwortung für
den Inhalt extern verlinkter Seiten.
(c) Paul Hombach
Last updated 17-04-2007
Kontakt: p.hombach(at)sternstunde-online.de
Bitte ersetzen Sie (at) durch @